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Manfred Kastner (Beerkast) "Conditio humaine". 1973.

Sold for €16,000 at Schmidt Kunstauktionen Dresden OHG on Jun 20, 2026.

Manfred Kastner (Beerkast) "Conditio humaine". 1973. auction lot image

Lot description

Manfred Kastner (Beerkast) 1943 Gießhübel/Nordböhmen – 1988 Juliusruh auf Rügen Öl auf Leinwand. Signiert und datiert "Beerkast 73" u.re. Verso betitelt. In einer schmalen, braun lasierten Holzleiste mit Schattenfuge gerahmt. Das Gemälde ist in dem in Entstehung befindlichen WVZ Priem registriert. Die nahezu motividentischen Gemälde "Wozu Gewißheit", 1975, und "Seezeichen", 1975, abgebildet in: Sylvia Kastner, Rudolf Kunze, Bernfried Lichtnau: Manfred Kastner Malerei 1965–1988. Kunstverein Wiligrad e.V. Drei Bände. Schwerin 1997. Ohne Seitenangabe. Vgl. motivisch auch die Farblithografien "Seezeichen" und "Leuchtturm" aus dem Jahr 1979. Wir danken Herrn Torsten Priem, Handorf, für freundliche Hinweise. Mit dem Thema von menschlicher Existenz und Vergänglichkeit setzte sich Manfred Kastner in seinem künstlerischen Schaffen intensiv auseinander. In variierenden Motivreihen von Leuchttürmen und Seezeichen, von Bahnhöfen, Fabriken, Hafenanlagen, Kastellen und Kasernen inszenierte er traum-reale, meist menschenleere Landschaften. Menschliche Existenz wird nur durch wehende Flaggen, rauchende Schornsteine und montierte Antennen sichtbar, bröckelnde Architektur deutet auf Verlassenheit. Kastner nutzte in vorliegendem Gemälde, wie auch in anderen Werken das werkimmanente Frühschwundkrakelee als Stilmittel zur Verdeutlichung der Vergänglichkeit. "Kastner formte all das zu einer Vanitas-Poesie der Vergänglichkeit, des Werdens und Vergehens, hinter der man melancholische Ergebenheit, ja existenzielle Hilflosigkeit und hoffnungsloses Ausgeliefertsein vermuten könnte, eine zerstörerische ''condition humaine'', für deren Überwindung sich der Künstler immer wieder engagierte" (Klaus Tiedemann in: Klaus J. Albert (Hrsg.): Manfred Kastner – Grafik 1977–1988. Schwerin 1997. S. 3). Der Künstler selbst formulierte seine Motivfindung folgendermaßen: "Mein Grundthema in der Malerei ist die Architektur in der Landschaft. […] Das liegt wohl auch daran, daß in meiner Heimatstadt Stralsund die Architektur, besonders die gotische, eine überragende Rolle spielt. Von fern schon sieht man die gewaltigen Bauwerke aufragen. Besonders wenn man sich auf dem Wasserwege nähert, ist es ein überwältigender Anblick. Es ist also kein Wunder, wenn die Architektur in meinen Arbeiten dominiert, steht sie doch als Zeichen menschlicher Selbstbehauptung und Größe. Gerade in der ebenen norddeutschen Landschaft, auch vom Meer aus gesehen, ist diese Architektur ein Wegweiser, ein Seh-Zeichen. Diese norddeutsche Landschaft ist nicht sehr lieblich, gerade in den dunklen Jahreszeiten ist diese Landschaft recht herb. Aber das Licht, wenn es über diesem Land ausgebreitet ist, ist von einer Klarheit, daß es fast die Augen blendet und von solch einer Fülle und Reinheit der Farbe, daß ich die Schönheiten meiner Heimat immer wieder von neuem bewundern kann. Die Verbindung von noch sehr ursprünglicher Landschaft mit dem reinen Licht des Nordens und den hochragenden Architekturen ist eine der Grundlagen meiner Inspiration." (zitiert nach Manfred Kastner, Gesprächsnotiz, SAdK, Slg. Kastner, Faltblatt zur Ausstellung Museum Schloß Moritzburg, Zeitz, August 1984). Lit.: Birgit Dahlenburg: Künstlerisch bewundert und von der Staatssicherheit verfolgt – der Surrealist Manfred Kastner (1943 – 1988). Greifswald 2008. Aus dem Frühwerk von Manfred Kastner (Cuni van den Beerkast): Handzeichnungen, Gemälde, Briefe, Gedichte, Textfragmente. Langenweißbach 2021. Beatrice Vierneisel: Der Stralsunder Maler Manfred Kastner und der Bezirksverband bildender Künstler Rostock in den siebziger Jahren. In: Zeitgeschichte Regional, 2004, Heft 2, S. 29–40. Manfred Kastner (Beerkast) 1943 Gießhübel/Nordböhmen – 1988 Juliusruh auf Rügen Autodidaktischer Maler und Bildhauer des Surrealismus in der DDR. 1958 Lehre als Dreher, anschließend bis 1962 auf der Volkswerft Stralsund tätig. Beschäftigung mit Zoologie, Ornithologie, Naturfotografie. Bis 1970 als Präparator am Stralsunder Meeresmuseum. 1970–74 Ausstattungsleiter und Bühnenbildner am Stralsunder Theater. Später freischaffend als Maler und Grafiker in Stralsund, ab 1985 in Juliusruh ansässig. Entsprechend der Diskrepanz seiner Arbeiten gegenüber der offiziellen Kulturpolitik der DDR wurde er als "sozialismusfeindlich" eingestuft, schikaniert und verfolgt. Kastner kam 1988 bei einem Autounfall ums Leben.

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