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* JUNG, Carl Gustav, 1875-1961. Br. m. U. und eigenh. Korrekturen. Küsnacht 16.XII.1933. 2 S. folio. Mit gedrucktem Briefkopf. Leicht gebräunt. Mit kleinen Rand- und Faltenrissen. Zweite Seite am Unterrand ca. 2,5 cm gekürzt. Bedeutender Brief an den Journalisten Hans Paeschke in Berlin, in dem Jung den Nationalsozialismus als Ausdruck einer kollektiven psychologischen Bewegung interpretiert und dabei seine Theorie des kollektiven Unbewussten mit kulturhistorischen und symbolischen Aspekten verknüpft. “... Ihre Auffassung des Nationalsozialismus deckt sich ganz mit der meinigen. Das psychologische Phaenomen ist wirklich ungeheuer und in der Geschichte anscheinend unerhört. Es liegt darin ein Moment, das aus der strikten abendländischen Psychologie nicht ganz erklärbar ist. In der ganz einzigartigen Volksbewegung steckt etwas von dem grossen Wind der weiten continentalen Ebenen Asiens. Nicht Russland ist das Zünglein an der Waage zwischen Westen und Osten, sondern Deutschland bis herunter zum Balkan und hinauf bis Finland [sic], ein Meridian der politischen und kulturellen Instabilität. Eine sozusagen geologische Bruchlinie, welche seit den Zeiten der Völkerwanderung nicht zur Ruhe gekommen ist. Die Römer haben sie mit der Befestigungslinie, die vom Meer bis zu den Alpen reichte, bezeichnet, und noch ist die Rheingrenze vom Meer bis zu den Alpen durch einen Limes bezeichnet. Solche grosse und einheitliche Bewegungen folgen unzweifelhaft den Gesetzen des Collectiven Unbewussten. Wenn Sie tiefer in diese Dinge eindringen wollen, so rate ich Ihnen das Studium des ‘I Ging’ an, das von R[ichard] Wilhelm herausgegeben wurde. Es ist wohl eines der tiefsten Bücher, das je von Menschen herausgebracht wurde. Dort sind die der gegenwärtigen Lage entsprechende Symbole die Sammlung, das Empordringen und die Bedrängnis. Es heisst dort: ‘Wenn die Wesen einander antreffen, dann häufen sie sich an. Das sich Anhäufen nach oben heisst Empordringen. Das Empordringen kommt nicht zurück, wenn man empor dringt ohne aufzuhören, so gerät man sicher in Bedrängnis. Wer oben bedrängt wird, der wendet sich sicher nach unten, darum folgt darauf das Zeichen des Brunnen.’ Diese Symbolabfolge schildert den typischen Ablauf einer Anhäufung, die zum Empordringen führt, die ihrerseits von Erschöpfung bedroht wird ...” Jung hatte zur englischen Übersetzung von Wilhelms deutscher Version des “I Ging” ein Vorwort verfasst, in dem er schreibt: “For more than thirty years I have interested myself in this oracle technique, or method of exploring the unconscious, for it has seemed to me of uncommon significance. I was already fairly familiar with the I Ching when I first met Wilhelm in the early nineteen twenties; he confirmed for me then what I already knew, and taught me many things more.”