Appraisily Check my item

Auction sale reference

Erich Fritz Reuter - Anadolu VII, 1968

Sold for €1,800 at Kunstauktionshaus Leipzig on Apr 18, 2026.

Erich Fritz Reuter - Anadolu VII, 1968 auction lot image

Have one like this?

Upload a photo for a free check of what yours may be worth.

Lot description

ERICH FRITZ REUTER (1911 Berlin - 1997 Stolpe) Anadolu VII, 1968 Bronzerelief, patiniert. Auf Metall-Plinthe montiert. 127 x 26,5 cm. Rechts unten monogrammiert und datiert. Erich Fritz Reuter wurde 1911 in Berlin geboren und lernte zunächst das Steinmetz-Handwerk, während er parallel die Kunstgewerbeschule Charlottenburg besuchte. 1934 - 1940 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. Seine frühe künstlerische Vorbilder waren Ernst Barlach, Wilhelm Lehmbruck und Georg Kolbe. Aufgrund seines Engagements in einer linksgerichteten Jugendorganisation floh er in den 1930er-Jahren zeitweise nach Spanien und konzentrierte sich anschließend vollständig auf seine bildhauerische Laufbahn. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete Reuter zunächst ein Atelier in Dresden, siedelte 1949 jedoch in den Westteil Berlins über. 1952 erhielt er eine Professur für Plastisches Gestalten an der Technischen Universität Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung 1978 Generationen von Architektinnen und Architekten prägte. Für seine zunehmend abstrakten Bronzen wurde er 1953 mit dem Ersten Preis des Verbandes Deutscher Kunstkritiker ausgezeichnet; zahlreiche Wettbewerbsgewinne für Kunst-am-Bau-Projekte - u. a. in Wolfsburg, Gießen und Rio de Janeiro - folgten. Von 1966 bis 1968 wirkte Reuter als Gastprofessor an der Technischen Universität Istanbul. Die dortigen Eindrücke führten zu der Werkreihe „Anadolu“, in der er Reliefs als archaisch-abstrakte Landschaftsräume begreift. 1997 starb der Bildhauer in Stolpe (Holstein). Der schlanke Hochrelief-Streifen besticht durch eine vielschichtige Oberflächendramaturgie: Diagonal gesetzte Kanneluren, krater-artige Vertiefungen sowie punktuelle Plaketten überziehen die Bronze wie Spuren einer erodierten Erdschicht. Mit seiner kraftvoll rhythmisierten Tektonik evoziert Reuter den topografischen Charakter anatolischer Felsformationen, ohne die Abstraktion zugunsten erzählerischer Details preiszugeben. Die warme, unterschiedlich nuancierte Patina verstärkt diesen geologischen Eindruck: Licht gleitet über raue Grate und sammelt sich in tieferen Partien als dunkel schimmernde Schatten - ein sprechendes Beispiel für Reuters Fähigkeit, Materialität und Lichtwirkung untrennbar zu verschränken. Formal steht das Werk zwischen architektonischer Ordnung und expressiver Gestik. Die vertikale Grundform erinnert an einen stelenartigen Kultstein, während die diagonalen Einschnitte Bewegung erzeugen und die starre Statik durchbrechen. Damit verweist „Anadolu VII“ auf Reuters zentrales Thema des „Widerstreits gegensätzlicher Polaritäten“, das er seit den 1960er-Jahren in zahlreichen architektonischen Großreliefs verfolgte. Die Arbeit bündelt so sowohl die archaische Bildsprache seiner in Istanbul gereiften Anatolien-Serie als auch den modernen Formwille eines der bedeutendsten deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit.

Do not price your object from one auction record.

A signed appraisal checks whether this sale is truly comparable to your item before you sell, insure, donate, or divide an estate.

Get an expert appraisal