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Nikolaus Gysis "Behold the Bridegroom Arriving"

Sold for €8,000 at Neumeister on Feb 25, 2026.

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Nikolaus Gysis 1842 Sklavohory auf Tinos - 1901 München "Behold the Bridegroom Arriving" Oil study on canvas. Image size: 85 x 60 cm. Not stretched on a stretcher. Damaged. Framed (99 x 72.5 cm). Bei dem Werk handelt es sich um eine Vorstudie zum Gemälde "Siehe, der Bräutigam kommet" (eng. "Behold the Bridegroom Arriving", Nationalgalerie Athen, Inv.-Nr. 641). Es ist eines der letzten Arbeiten vor dem Tod Gysis und kann als Vermächtnis seiner intensiven Auseinandersetzung mit spirituellen Themen interpretiert werden. Inhaltlich bezieht es sich auf das Gleichnis der zehn Jungfrauen im Matthäusevangelium, in dem Jesus die Bedeutung von Wachsamkeit und Bereitschaft für die Ankunft des Himmelreichs hervorhebt (Mt. 25, 1-13). Stilistisch nimmt der Künstler hier Bezug auf die byzantinische Kunstgeschichte. Das Bild zeichnet sich durch eine stilistische Strenge aus, der Aufbau basiert auf Symmetrien und Kreisstrukturen, ähnlich zur byzantinischen Kunst der Nachantike. Ähnliches findet sich auch in den Werken von Franz von Stuck oder Gustav Klimt, bei Gysis ist dieser Bezug aber nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich gegeben. In dieser Vorstudie experimentierte Gysis mit Formen und Farbspektren. Auf einem schwarzen Hintergrund entfaltet sich eine von der Bildmitte nach außen strahlende Farbstruktur, in der fließende Übergänge von Blau über Weiß, Gelb und Orange bis hin zu Rot zu erkennen sind. Das Farbdiagramm in der unteren Bildhälfte spiegelt Warm-Kalt-Kontraste wider, wobei er Grün- und Violetttöne auslässt. Womöglich bezieht er sich hier direkt auf Goethes Farbenlehre, bei der Goethe den Farben psychologische Attribute zuschreibt. Gelb- und Rottöne werde als aktiv und warm interpretiert, während Blautöne dagegen passiv und kalt wirken. Die Lichtquelle im Zentrum der Vorstudie verweist auf die Erscheinung Christi als Bräutigam im genannten Gleichnis und veranschaulicht Gysis' Bemühen, das Unfassbare und Göttliche visuell erfahrbar zu machen. Insofern beschäftigt er sich nicht nur mit dem griechisch-orthodoxen und katholischen Glauben, sondern nähert er sich auch den mystischen und esoterischen Strömungen seiner Zeit an. Um die Jahrhundertwende herum war Gysis, wie viele Symbolisten, von Theosophie und Mystik beeinflusst. Er beschäftigte sich mit den Ideen des Lichts, der göttlichen Energie und des inneren Sehens. Vor allem Farben und Farbkontraste spielen in seinen Werken eine wichtige Rolle. In dieser Vorarbeit ist das unübersehbar. Einer, der sich auch deswegen mit Gysis auseinandergesetzt hat, war der Theosoph und Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner: Steiner kannte Gysis' Werk, hat 1910 sogar einen kleinen Vortrag zu dem Künstler gehalten und setzte dieses Werk in den Mittelpunkt. Steiner war von der Vergeistigung der Farbe fasziniert, wie sie insbesondere Gysis, aber auch seine Zeitgenossen verfolgten. Insofern lässt sich argumentieren, dass Gysis als Inspirationsquelle für Steiners Idee der geistigen Farbenwirkung fungierte, die später in der anthroposophischer Kunsttheorie mündete (zu Steiners Interesse am Werk Gysis siehe den 2019 publizierten Aufsatz des Kreter Kunsthistoriker Spyros Petritakis 2019, welcher ausführlich den Bezug Gysis zu Steiner untersuchte). In der Nationalgalerie Athen, Alexandros Soutsos Museum, existieren neben dem großen Gemälde noch mindestens sieben weitere Entwürfe. Vier Entwürfe zeigen ausschließlich die Sphäre um Christi, jeweils mit farblichen Übergängen, wobei nicht immer nur Christi als Mittelpunkt des Werkes fungiert. In den drei Kreideskizzen auf schwarzem Papier zeig sich, dass der Künstler unter der Sphäre noch ein Bildfeld plante, wobei wir deren Bildinhalt nicht kennen. (Anna Zörner/Ludwig Sedlmaier) Literature: Didaskalou, Konstantinos, Der Münchner Nachlass von Nikolaus Gysis, Munich 1993, page 192, number G 69 (illustration 290). - Spyros Petritakis, The reception of Nikolaos Gyzis's "Behold the Bridgegroom commeth" by Rudolf Steiner in Munich 1910: Its ideological premises and echo in the cross-fertilization of artistic and Theosophical Doctrines, in: Nemanjai Radulocic/Karolina Maria Hess, Studies on Western Esotericism in Central and Eastern Europe, Szeged 2019, pages 83-108. - Spyros Petritakis, Zwischen Athen und München: Zur Rezeption des malerischen Schaffens von Nikolaos Gysis (1842-1901), in: Alexandros-Andreas Kyrtsis und Miltos Pechlivanos (editor), Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen, 04.10.2021 (URI: https://comdeg.eu/compendium/essay/105454/, last accessed on 07 November 2025). Exhibition: probably the VIII Internationale Kunstausstellung in the Royal Glaspalast, Munich 1901, catalogue number 54: listed as an oil painting draft for "Siehe, der Bräutigam kommet mitten in der Nacht". - Municipal Art Gallery Thessaloniki, Nikolaos Gysis (1842-1901), exhibition 1999, catalogue number 147. Provenienz: Aus dem Münchner Nachlass des Künstlers.

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