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JOSEF FELIX MÜLLER (geb. in 1955 Eggersriet, tätig in St. Gallen) Stehendes Paar, 1999 Holz gesägt und geschnitzt, 61 x 30 x 22 cm, rückseitig signiert und datiert. Der Schweizer Autodidakt Müller absolvierte ursprünglich eine Lehre zum Stickereientwerfer, bevor er begann, sich künstlerisch zu betätigen. Seine Werke, in denen Sexualität als treibende Energie provozierend zum Ausdruck kommt, riefen in der Vergangenheit teilweise Unmut hervor. So wurden 1981 drei seiner Werke beschlagnahmt, die Verhandlungen gingen bis vor den Europäischen Gerichtshof in Straßburg. 1987 war er Mitbegründer der Kunsthalle St. Gallen, die er 1993 bis '95 leitete. Er hatte mehrere Lehraufträge inne und wurde wiederholt ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich in Sammlungen wichtiger Institutionen wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Museum Ludwig in Köln, dem Museum für Gegenwartskunst und dem Kunstmuseum Basel. Holzskulpturen gehören seit Anfang der 1980er Jahre zu den wichtigsten Positionen in Müllers Œuvre. Der Kunsthistoriker Peter Weiermair zählt Müllers mit Sägen und Axthieben aus Pappel- und Weidenstämmen geschaffene Figuren "zu den prägnantesten Formulierungen figurativer Kunst der achtziger Jahre" (Weiermair, Peter, in: Josef Felix Müller. Werkverzeichnis der Druckgraphik 1976-1992, München/Stuttgart 1992). "Josef Felix Müller gehört zusammen mit Martin Disler zu den Schweizer Protagonisten der neo-expressionistischen Strömung der frühen 80er-Jahre, die den konzeptuellen und verinnerlichten Tendenzen der 70er eine eruptive und ungestüme Hinwendung zur Subjektivität und Körperlichkeit entgegenhielten. [...][Der] Maler und Holzschnittkünstler Josef Felix Müller fand sein Hauptmedium in der Holzskulptur. Seit Beginn seiner künstlerischen Betätigung lag Müllers Fokus auf der Darstellung des Menschen, insbesondere des Mannes." (Ausst.kat.: Das schwache Geschlecht. Neue Mannsbilder in der Kunst, Bern 2013, S. 119-122). In der hier abgebildeten Skulptur steht die männliche Figur hinter einer weiblichen, schon dadurch zeichnet sie sich besonders aus. Er umgreift sie von hinten an Schulter und Hüfte, seine Hände sind überdimensioniert. Durch seine überproportionierten Hände und die Position strahlt er eine gewisse Dominanz aus. "[Müller] interessiert sich für Obsessionen, die unter der Oberfläche lauern. Aus einzelnen Holzstämmen sägt und schneidet er Schicht um Schicht ab und versucht so, die inneren Befindlichkeiten richtig gehend herauszuschälen. Verborgenes oder gar Verdrängtes wird körperlich verbildlicht, an die Oberfläche gebracht und dadurch angreifbar. Die Oberfläche des Holzes ist nicht glattgeschliffen, sondern faserig belassen [...]. Vor allem aber ist sie bereits selbst das Ergebnis einer Verletzung durch die brachiale Arbeitstechnik, mit der Müller seinen Skulpturen Form verleiht. Mit Axt und Kettensäge bearbeitet er Weichhölzer wie Pappel, Linde oder Weide ohne Entwurfszeichnung oder plastisches Modell. Jeder Hieb, jeder Schnitt hat bei Josef Felix Müller die Dimension des Endgültigen und Unwiderruflichen. Der Pathos dieser grossen Gesten wird durch den körperlichen Kraftakt des Arbeitsprozesses zusätzlich gesteigert." (ebd.).