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Gerd Arntz - Strandbad, 1926

Sold for €2,000 at Kunstauktionshaus Leipzig on Apr 20, 2024.

Gerd Arntz - Strandbad, 1926 auction lot image

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GERD ARNTZ (1900 Remscheid - 1988 Den Haag) Strandbad, 1926 Holzschnitt auf dünnem Japan, 43,5 x 30,5 cm, Exemplar 1/10, im Klapp-Passepartout mit Dreieckstaschen montiert, rechts unten in Blei signiert und datiert, links unten betitelt und nummeriert, linke untere Ecke Datierung 1925 (die erste Auflage der Grafik stammt von 1925). Ecken mit Montierungsspuren, vereinzelt minimal braunfleckig. Es handelt sich hierbei um ein Original aus der Zeit, das wahrscheinlich nachträglich von Arntz signiert und datiert wurde, was in seinem Werk durchaus üblich ist. Provenienz: Privatbesitz Hessen Der junge Gerd Arntz, eigentlich einem gutbügerlichen Unternehmerhaushalt entstammend, positionierte sich schon im Ersten Weltkrieg ausdrücklich gegen den Krieg und war überzeugter Sozialist. In den 1920er Jahren studierte er an der Düsseldorfer Kunstschule und arbeitete mit der Kölner Gruppe progressiver Künstler um Heinrich Hoerle und Franz Wilhelm Seiwert zusammen, die Menschen und Sozialstrukturen ihrer Zeit im Bild dokumentierte. Dieser Ansatz war tragender Pfeiler für Arntz' Kunst. Die Darstellung des Klassenkampfs und des Proletariats in abstrahierten, auf ein Minimum der Form reduzierten Holzschnitten waren dabei sein Hauptaugenmerk. 1928 wurde er von Otto Neurath nach Wien an das Wiener Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum eingeladen, wo er dank seines prägnanten, gradlinigen Stils grafischer Leiter wurde. Hier entwickelte er eine Methode weiter, die als Isotype bekannt wurde, eine leicht verständliche Bildersprache. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Arntz in die Niederlande fliehen. Während seine Kunst in Deutschland als "entartet" klassifiziert und teilweise beschlagnahmt wurde, konnte er im Ausland weiter ausstellen. Im Jahr 1940 übernahm er die Leitung der Niederländischen Stiftung für Statistik. Drei Jahre später wurde er zur Wehrmacht eingezogen, schloss sich aber schon 1944 der Résistance in Paris an. Nach Kriegsende kehrte er zu seiner Anstellung zurück und war anschließend zwischen 1951 und 1961 Bildstatistiker bei der UNESCO. Er starb 1988 in Den Haag. In Arntz' Arbeiten werden gesellschaftliche, soziale und politische Zusammenhänge in den für ihn typischen universal verständlichen Symbolen kritisch dargestellt. Die grundlegende Idee der Isotype und auch seiner künstlerischen Piktogramme ist es, Wissen über die Gesellschaft in klar strukturierten Symbolen und vereinfachten grafischen Darstellungen zu illustrieren statt es in undurchsichtiger wissenschaftlicher Sprache zu vermitteln. Auch Sprach- und Kulturbarrieren können so überwunden werden. Arntz' Kunst transportiert in simplifizierter Form eindrucksvoll die Essenz einer ganzen Gesellschaft und ihrer Kultur zu einem bestimmten Zeitpunkt. Strandbad gehört zu den weniger gesellschaftskritischen, gleichsam besonders ästhetischen Holzschnitten. In den 20er Jahren nimmt Arntz grundsätzlich weniger Bezug auf politische Entwicklungen als er es später zum Beispiel im Kampf gegen den Faschismus tut. Gleichbleibend ist die Dominanz einfacher geometrischer Formen, die sich Arntz in den Jahren zwischen 1921 und 1923 zu eigen machte. Ab 1924 entwickelt er sie so weiter, dass er ein möglichst exaktes Bild der gesellschaftlichen Situation wiederzugeben vermochte. Sein enger Künstlerfreund Franz Wilhelm Seiwert schrieb "Gerd Arntz schneidet in seine Platten Bilder der Arbeit und Bilder der Arbeitenden... Er schneidet das alles mit einem in Deutschland ungewohnten Mangel an Sentimentalität. Einfach, Tatsache, so ist es. Dabei in der Form vereinfacht zum Symbol." (Auf dem Wege zur figurativ-konstruktiven Bildform 1924-1931, in: Gerd Arntz. Kritische Grafik und Bildstatistik, 1976 , S. 30). „[Gerd Arntz] vereinfacht die Darstellung des Menschen derart, daß nichts als ein Typ übrigbleibt, erkennbar an Haltung, Kleidung, Milieu. Er wird zur Figur seines Standes und seiner Klasse. Der Mensch als Norm, Gattungswesen, eben als Typ. Schon darin liegt eine entscheidende Sozialkritik. [...] Die Serien haben einen ungemeinen Informationswert. Man kann sie immer wieder betrachten, um immer Neues zu entdecken. Es ist keine Einschränkung, wenn man sie bildnerische Essays nennt. Grafik als Essay, bisweilen als Feuilleton." (Schmitt-Rost, Hans: Vorwort zur Grafikmappe "Zwölf Häuser der Zeit")

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